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HUMOUR RESOURCES – Schräges und Skurriles aus der Welt der Personalabteilungen

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und

und kompetenten Eindruck machte und zudem durch sein ausgesucht korrektes Auftreten gekonnt überzeugte. Ring … Ring … Ring … Dass unser Wunschkandidat sich in weiterer Folge nicht allzu lange bitten ließ, bevor er den vorgeschlagenen Deal stilecht per Montblanc-Unterschrift besiegelte, hätte uns rückblickend betrachtet vielleicht stutzig machen können. Zum damaligen Zeitpunkt feierten wir jedoch schlicht unseren Erfolg und entsandten den frischgebackenen Expat hochzufrieden in seine neue Heimat. Doch kaum hatte er sich dort installiert, häuften sich nach anfänglicher Euphorie über den vermeintlichen High-Performer die Verdachtsmomente die sich zum allgemeinen Schrecken schlussendlich auch bestätigten. Drücken wir es freundlich aus: Seine Auffassung von beruflicher Pflichterfüllung divergierte nicht nur beträchtlich vom Verhaltenskodex unseres Unternehmens, sondern auch von den Weisungen des Gesetzgebers. Die Konzernzentrale zog selbstverständlich stante pede die Konsequenzen und berief das schwarze Schaf umgehend zurück. Hinter verschlossener, schallisolierter Türe wurden dem ehemaligen Geschäftsführer ganz offensichtlich gehörig die Leviten gelesen, bevor man das Arbeitsverhältnis fristlos beendete. Direkt nach dieser unehrenhaften Verabschiedung wurde der einst so großspurige Mitarbeiter mit gesenktem Kopf von unserem Sicherheitsbeauftragten auf direktem Weg zum Ausgang eskortiert. Bevor er das Gebäude verließ, musste er noch sämtliche firmeneigene Facilitys abgeben. Man könnte meinen, die unerfreuliche Angelegenheit hätte ein sprichwörtliches Ende mit Schrecken genommen, sobald seine retournierte Ausstattung auf Vollständigkeit geprüft worden war. Doch dem war nicht so: Natürlich war der „Ex-Pat“ mit seinem Dienstwagen in die Zentrale gekommen und hatte den zugehörigen Schlüssel wie gefordert begleitet von einer nur minimalen Gesichtsentgleisung ausgehändigt. Bedauerlicherweise „vergaß“ er dabei, uns mitzuteilen, wo er das gute Stück geparkt hatte. Dank modernster Navigationstechnologie stellte dieser Sabotageakt keine unüberwindbare Hürde für uns dar ärgerlich war es aber allemal. Doch damit nicht genug. Wenige Tage später erreichte mich der lautstarke Anruf des aufgebrachten osteuropäischen Vermieters. Dem unwirschen Redeschwall, der sich, kaum dass ich den Hörer abgenommen hatte, über mich ergoss, entnahm ich nach und nach, dass die Wohnung des eben entlassenen Top-Managers rundum renovierungsbedürftig wäre. Mit sich überschlagender Stimme teilte mir mein Gesprächspartner mit, dass er über die Jahre wirklich nachsichtig geworden wäre, aber das Chaos, das dieser Mann hinterlassen hatte, ein schlicht ungeheuerliches Ausmaß angenommen hätte. Unvorstellbare Schäden hätte er angerichtet 10

ein himmelschreiender Skandal und eine bodenlose Frechheit wäre das. Wir sollten bloß nicht auf die Idee kommen, dass er diese Schweinereien aus eigener Tasche bezahlen würde. Am besten müsste der gottlose Mieter selbst alternativ stellvertretend wir als Konzern für die entstandenen Schäden aufkommen. Nun kann es leider durchaus sein, dass der eine oder andere Manager nicht ausgesucht sorgsam mit der zur Verfügung gestellten Ausstattung umgeht. Ob diese Nachlässigkeit dem allgemeinen Leichtsinn der Gesellschaft oder der Tatsache geschuldet ist, dass es sich dabei nicht um persönliches Eigentum handelt, sei zum Zeitpunkt dahingestellt. Fakt ist, dass unser Vermieter bereits in der Vergangenheit in regelmäßigen Abständen unappetitliche Flecken am Teppichboden oder unerklärliche Löcher in der Wand beanstandet hatte. Folglich führte ich seine Aufregung auch eher auf das vielgerühmte Temperament der OsteuropäerInnen zurück als auf das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung. So sehr ich mich auch mühte, den Hausherrn zu beschwichtigen, er wollte mich nicht vom Haken lassen, und auch mir lag es im Sinne einer produktiven Zusammenarbeit am Herzen, das Thema ordentlich erledigt zu wissen. Also bat ich einen verlässlichen Mitarbeiter vor Ort, sich ein persönliches Bild des vermeintlichen Tatorts zu machen. Was er nach erfolgter Inspektion ungläubig zu berichten hatte, stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Ganz augenscheinlich hatte der ehemalige Geschäftsführer einen ausgeprägten Sinn für das Außergewöhnliche. Denn noch lange bevor eine grau-schattierte Trilogie derartige Praktiken salonfähig machte, hatte er sein Schlafzimmer zu einer „strengen Kammer“ par excellence umfunktioniert. Von gepolsterten Handschellen über Gummiknebel bis hin zu den unterschiedlichsten Züchtigungsinstrumenten war der Raum mit sämtlichen Folter-Accessoires ausgestattet, die die gut sortierte SM-Szene bereithielt. Es versteht sich von selbst, dass sowohl die Wandbefestigungen als auch die Verdunkelungen von bester Qualität und sehr professionell montiert worden waren. Im Wandschrank aus dunklem Nussbaumholz waren darüber hinaus vereinzelte, kostspielig anmutende Utensilien zurückgeblieben, die Menschen an die Grenzen ihrer psychischen und physischen Belastbarkeit bringen sollten. Außerhalb des Protokolls erzählte mir der Kollege, er hätte sich bei einzelnen „Spielzeugen“ nicht einmal in den kühnsten Träumen ausmalen können, wofür sie benutzt werden sollten. Damit war die Entrüstung des Wohnungsbesitzers mehr als nur nachvollziehbar, und wir trugen selbstverständlich die vollen Renovierungskosten, womit er glücklicherweise rasch zu besänftigen war. Unser ehemaliger Geschäftsführer blieb übrigens untergetaucht ich vermute allerdings, dass ihm die jüngste Entwicklung am Belletristik-Markt recht zusagt ... 11

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