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HUMOUR RESOURCES – Schräges und Skurriles aus der Welt der Personalabteilungen

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Zusätzlich zu seinem

Zusätzlich zu seinem offenherzigen Hemd, das bis zum Bauchnabel aufgeknöpft war, versuchte er meine Kollegin und mich durchwegs frech anzuflirten. in Auftrag gegeben hatte ein für alle Mal zu beweisen, welche „Luschen“ und „Job-Hopper“ sich auf die Stelle bewarben, wollte ich ihm dieses Dossier zur Ansicht schicken. Immerhin hatte er mir mehr als einmal und mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass der Erfolg seiner Abteilung momentan allein auf meinen Schultern lastete. Ich kann nur sagen: Es ist keine gute Idee, mit Frust im Bauch eine solche Aktion zu starten. Denn leider ging das Mail, in dem sich meine geballte aufgestaute Wut entlud, nicht an den entsprechenden Manager, sondern auf direktem Weg an den Bewerber. Ich hatte nämlich auf „Antworten“ statt auf „Weiterleiten“ gedrückt. Am liebsten wäre ich ohne weiteren Umweg im Erdboden versunken. Egal wie unpassend seine Bewerbung für die Stelle auch war und egal wie viele Rechtschreibfehler den ersten Satz seines Anschreibens zierten das hatte kein Kandidat verdient. Ich gestehe: Ein paar Minuten hysterischen Hyperventilierens gestand ich mir zu, bevor ich mir über die Lösung meiner selbstverschuldeten Misere den Kopf zerbrach. Nachdem ich zwei Kolleginnen, die wegen des Krachs besorgt herbeigeeilt waren, wild gestikulierend wieder in ihre Büros geschickt hatte, rief ich mich selbst streng zur Ordnung. Hastig verfasste ich ein entsprechendes Entschuldigungsschreiben an den betreffenden Bewerber und hätte es auch nur fast an den für das ursprüngliche Mail vorgesehenen Manager gesendet ... Gott sei Dank hat der Bewerber letztlich von jeglicher Aktion oder Beschwerde abgesehen und einfach gar nicht mehr reagiert. Aber wie Sie sich sicher vorstellen können, war ich von da an ganz besonders vorsichtig beim Versenden von E-Mails. Der Callboy Manuela Vorwerk, Chemie, rund 450 MitarbeiterInnen Wir waren auf der Suche nach neuen MitarbeiterInnen für den IT-Bereich und hatten einige Vorstellungstermine. Nachdem das Eintreffen eines Bewerbers angekündigt worden war, machte ich mich auf den Weg in Richtung Empfang, um den Kandidaten abzuholen. Bereits im Flur, kurz vor der Empfangshalle, sah ich, wie ein junger Mann ganz lässig an der Bank lehnte und alle Mitarbeiterinnen, die vorbeigingen, 16

unverschämt anzwinkerte. Spontan fiel mir der Schauspieler Jürgen Vogel in dem Film Keinohrhasen ein, der in den ersten Szenen mit gebleicht-blondem Haar und einem übertrieben weißen Blendamed-Lächeln komplett künstlich und vor allem cool und lasch herumhängt. Neben diesem jungen Selbstdarsteller würde sogar Jürgen Vogel vor Neid erblassen, da bin ich mir sicher. Ich holte den Kandidaten zum Gespräch ab. Er begrüßte mich, wie erwartet, besonders lässig mit „Halloo, servas, wie geht’s“ und zwinkerte mir herausfordernd zu. Leicht belustigt starteten meine Kollegin und ich das Bewerbungsgespräch und bemühten uns redlich, eine professionelle Linie beizubehalten. Glauben Sie mir, das fiel uns angesichts der äußeren Erscheinung nicht wirklich leicht! Der Bewerber, ein mit Sicherheit viel Zeit in sein Hobby investierender Freund künstlicher Sonnenbestrahlung, gewährte uns sehr tiefe Einblicke in sein Dekolleté, das er, wie könnte es anders sein, mit einem kessen Goldkettchen schmückte. Zusätzlich zu seinem offenherzigen Hemd, das bis zum Bauchnabel aufgeknöpft war, versuchte er meine Kollegin und mich durchwegs frech anzuflirten. Insgeheim zog ich die nicht sonderlich abwegige Möglichkeit in Betracht, dass er die Stelle mit der eines Bademeisters am Strand von Malibu verwechselt hatte, und musste schmunzeln. Ehrlich interessiert fragte ich ihn, warum er sich denn bei uns beworben hätte und was für ihn an der Stelle so reizvoll wäre. Seine Antwort war, sagen wir einmal, passend: Das AMS (Arbeitsmarktservice) würde ihn schicken und im Inserat stünde ja, dass wir jemanden suchten, der auch reisebereit wäre. Er reiste sehr gerne, und deswegen interessierte er sich auch für den Job. Tja, da fehlten uns dann doch kurz die Worte, denn mit dieser Antwort hätten wir wirklich nicht gerechnet. Alles in allem war es ein unheimlich lustiges Gespräch, was ich mir selbstverständlich nicht anmerken lassen durfte. Nachdem wir jedoch nicht im Callboy-Segment arbeiten, hat er die Stelle nicht bekommen. Im Nachhinein kann ich über diese Geschichte immer noch herzhaft lachen vor allem, wenn gerade einmal wieder Keinohrhasen im Fernsehen läuft. 17

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