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HUMOUR RESOURCES – Schräges und Skurriles aus der Welt der Personalabteilungen

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Ein wahrer

Ein wahrer Mundl würde am Arbeitsplatz also nicht gerade zu einer positiven und motivierenden Atmosphäre beitragen. Dass Menschen dieser Art bei einem Bewerbungsgespräch keinen sonderlich guten Eindruck machen, ist daher anzunehmen. Selbst bei einem Industrie-Unternehmen, das nun wirklich nicht von allen MitarbeiterInnen verlangt, top gestylt und ein rhetorisches Genie zu sein, wird ein Mindestmaß an wertschätzendem Umgang mit anderen Menschen vorausgesetzt. Dennoch tauchen manchmal BewerberInnen auf, die den Alltag einer Recruiterin ordentlich durcheinanderbringen. Eines Tages erschien eine Kandidatin zum Bewerbungsgespräch, deren Ausdrucksweise und Artikulation darauf schließen ließen, dass sie wohl noch nie die Grenzen ihres Heimatbezirks verlassen hatte. Die hochdeutsche Sprache und das Gespür dafür, wie man auf andere Menschen wirkt, sind generell keine Stärken der WienerInnen, aber diese Kandidatin hätte selbst Mundl die Show gestohlen. Das Gespräch war geprägt von urigen Geschichten und der Dialekt so schlimm, dass ein Simultandolmetscher nützlich gewesen wäre. Um das Gesamtbild abzurunden, wäre statt eines Glases Wasser wohl eine Dose Ottakringer Bier das passendere Getränk gewesen. Es war sehr schnell klar, dass sie nicht in ein Team passen würde, in dem niemand ihre Sprache sprach. Obwohl also schon sicher war, dass sie hier keine Anstellung finden würde, kam die Frage auf, warum sie ihren letzten Arbeitgeber verlassen hätte. Die Antwort darauf sagte mehr über sie aus als das gesamte Gespräch davor: „Jo, des hot mit mein Chef ned funktioniert, er hot gsogt, i hob an bladn Oasch in meiner Leggins.“ Der Bewerbungskrimi Barbara Yiangou, Personaldienstleistung, rund 1.300 Mitarbeiter An und für sich kann ich von mir behaupten, über eine sehr gute Menschenkenntnis zu verfügen. Irren ist jedoch menschlich, wie folgende Geschichte beweist. Ein Telekommunikationsanbieter hatte mich beauftragt, eine/n Shop-MitarbeiterIn zu rekrutieren. 34

Dazu muss man sagen, dass es sich dabei nicht um eine klassische Einzelhandelsposition handelte, bei der man nur an der Kassa sitzt, sondern um aktiven Verkauf, Beratung, Kundenbetreuung und natürlich auch um Reklamations- und Beschwerdemanagement. Bereits der erste Bewerber war mir überaus sympathisch, und ich war davon überzeugt, den Richtigen für die besagte Position gefunden zu haben. Beim Telefonscreening war er sehr begeistert sowie im persönlichen Gespräch überaus bemüht und überzeugend. Er betonte mehrmals, wie gut er mit KundInnen umgehen könnte, wie kommunikativ, belastbar und stressresistent er wäre. Als ich gegen Ende des Bewerbungsgesprächs die Rahmenbedingungen wie Gehalt, Arbeitszeiten etc. mit ihm durchging, kamen wir auch zur Frage, ob es bei ihm zeitliche Einschränkungen gäbe. Die Antwort lautete: Ja, jeden Dienstag und Donnerstag müsste er spätestens um 18:00 Uhr den Shop verlassen. Mein erster Gedanke war, dass er eine Abendschule besuchte, und ich war hin und weg vor Begeisterung über so viel Ehrgeiz. Als ich genauer nachfragte, erwiderte er: „Naja, da habe ich immer meine Therapie.“ Wird vermutlich eine Physiotherapie sein, dachte ich. Was dann weiter folgte, war allerdings überraschend. Mit herzerfrischender Offenheit erzählte der Bewerber, dass ihn ein Richter dazu verdonnert hätte, zweimal in der Woche zur Aggressionsbewältigungstherapie gehen zu müssen. Er wäre zwar ein gutmütiger Mensch, schlüge jedoch gerne mal zu, wenn er zu sehr gereizt würde. Meine anfängliche Begeisterung schmolz dahin wie Schnee im Frühling. Wie konnte er sich nur um eine Stelle mit laufendem Kundenkontakt bewerben? Der Kundenkontakt erfordert einerseits Geduld, andererseits Vermittlungsgeschick und bringt mit Sicherheit genervte, herausfordernde und oftmals auch anstrengende KundInnen mit sich. Mein Gegenüber jedoch hatte sichtlich nicht die geringsten Bedenken. Seelenruhig gab er von sich: „Ich bemühe mich immer, nicht auf die KundInnen loszuschlagen, das können sie mir glauben. Aber ich kann mich einfach nicht beherrschen, wenn jemand besonders lästig ist.“ Ich hatte Visionen von wilden Prügeleien im Shop, von Polizeisirenen und flüchtenden KundInnen. Fieberhaft begann ich zu überlegen, wie ich diesen Kandidaten loswerden könne, ohne ihn zu reizen. Wider Erwarten verabschiedete er sich ohne weitere Komplikationen. 35

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