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HUMOUR RESOURCES – Schräges und Skurriles aus der Welt der Personalabteilungen

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„Für diese Position

„Für diese Position strebe ich ein Jahresbruttoeinkommen von 34 * 10 3 an.“ Die groSSe Überraschung im Sommerkleidchen anonym, Papierindustrie, rund 320 MitarbeiterInnen In unserem Unternehmen ging es turbulent zu, denn die alten Firmeninhaber hatten sich zur Ruhe gesetzt und eine Neuübernahme stand ins Haus. Zwar hatten wir die neue Eigentümerin noch nicht kennengelernt, aber es hieß, dass eine Enkelin die Nachfolge antreten sollte. Natürlich waren wir alle sehr gespannt darauf, wie sich die „Neue“ machen würde. Einen kleinen Vorgeschmack hatten wir ja bereits bekommen, als wir beauftragt wurden, zusätzliches Personal zu rekrutieren. Das Briefing kam per E-Mail und war überaus höflich und freundlich formuliert, stellte jedoch eine enorme Herausforderung für uns dar: Die neuen MitarbeiterInnen sollten nicht nur Erfahrung mit SAP haben, sondern auch noch hochqualifiziert und dynamisch sein. Dementsprechend war die Auswahl nicht sehr groß. Bewerbungsschreiben trudelten zwar massenweise ein, aber es gab kaum KandidatInnen, die den gestellten Anforderungen wirklich entsprachen. Also wollten wir uns erst einmal persönlich ein Bild der BewerberInnen machen und luden jene zu einem Vorstellungsgespräch ein, die den Anforderungen am ehesten entsprachen. An diesem Sommernachmittag war es unglaublich heiß und ein Termin jagte den anderen. Als wir bereits unzählige Bewerbungsgespräche hinter uns gebracht hatten, fiel auch noch die Klimaanlage aus und wir waren der Erschöpfung nahe. Endlich hatten wir den letzten Kandidaten verabschiedet und wollten gerade Schluss machen, da erschien, wie aus heiterem Himmel, eine bezaubernde junge Dame im luftigen Sommerkleidchen, frisch wie der junge Frühling, in unserem Büro und ließ sich unbekümmert auf dem Sofa nieder. Ohne sich vorzustellen, begann sie wie ein Wasserfall zu plaudern, erzählte von ihrem Hund, ihrer neuen Wohnung, ihren Hobbys und ihrer Familiensituation. Sie war einfach nicht zu bremsen. Ihre Dreistigkeit war auf gewisse Weise faszinierend, und so hörten wir ihr eine Zeitlang zu, ehe ich sie mit der Frage unterbrach, wie denn ihr Name wäre und für welche Position sie sich denn vorstelle, ich könnte hier keine Bewerbungsunterlagen mehr finden. „Das wundert mich nicht, ich habe mich auch nicht beworben, denn ich habe bereits einen Job. Ich bin die neue Firmeninhaberin“, kam es gelassen von ihren bezaubernden Lippen. 54

Höhere Mathematik Sabrina Pint, Personalberatung, rund 10 MitarbeiterInnen IT-Positionen zu besetzen ist eine Herausforderung, keine Frage. Aber Herausforderungen sind mein Spezialgebiet. Insofern freue ich mich immer, wenn es gilt, einen „Tekkie“ zu recruiten und war eigentlich auch stets der Meinung, über das dazu nötige, angemessen fundierte technisch-mathematische Wissen zu verfügen. In einem verregneten Frühjahr vor ein paar Jahren sollte ich eindrucksvoll eines Besseren belehrt werden: Für eine herausfordernde IT-Position hatte ich eine Stellenausschreibung nach allen Regeln der Kunst gestaltet IT-ExpertInnen sind schließlich eine recht gefragte Spezies und wie immer auch um die Gehaltsvorstellung der Interessierten gebeten. Nicht selten war es mir in der Vergangenheit passiert, meine Wunschkandidatin vor dem geistigen Auge schon auf der Weihnachtsfeier tanzen zu sehen, nur um beim ersten Gespräch festzustellen, dass ihre finanziellen Vorstellungen und meine Möglichkeiten freundlich ausgedrückt Lichtjahre trennten. Offenbar hatte ich mit meiner Ausschreibung voll ins Schwarze getroffen, denn bereits am ersten Tag waren zahlreiche Bewerbungen eingetrudelt. Gespannt klickte ich mich durch die Lebensläufe und Anschreiben, um mir einen Überblick zu verschaffen nur um kurz darauf bei einer der Bewerbungen hängenzubleiben. Hatte ich mich verlesen? War dem Kandidaten ein Tippfehler unterlaufen? Ich vergewisserte mich nochmals. Nein, da stand tatsächlich: „Für diese Position strebe ich ein Jahresbruttoeinkommen von 34*10 3 an.“ Verstohlen blickte ich mir über die Schulter: Stand irgendwo mein Mathematiklehrer aus der Schule und lachte sich ins Fäustchen? Aber es war dem Kandidaten wohl wirklich ernst. Und ich kam somit nicht umhin, in den Tiefen meines Gehirns nach meinen verschollenen Kenntnissen der Schulmathematik zu forschen. Denn meine KollegInnen um Rat zu fragen, ließ mein Stolz selbstverständlich nicht zu. Nach mühsamem Hin und Her, drei Rippen Schokolade und einem zerbrochenen Taschenrechner (ich hatte ihn aus Frust offenbar etwas zu fest gegen die Wand geworfen) errechnete ich schließlich ein gewünschtes Jahresbruttoeinkommen von 34.000 Euro. Nicht ganz ohne Stolz, muss ich zugeben. Zwar passte das Profil des Kandidaten letztlich doch nicht optimal zur ausgeschriebenen Stelle aber jedes Mal, wenn ich nun einen Taschenrechner zur Hand nehme, muss ich mit einem Schmunzeln an ihn denken. 55

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