Aufrufe
vor 1 Jahr

HUMOUR RESOURCES – Schräges und Skurriles aus der Welt der Personalabteilungen

  • Text
  • Karriere
  • Bewerbung
  • Recruiting
  • Personal
  • Personalwesen
  • Resources
  • Humor

Einladung

Einladung oder Terminvereinbarung auf den Weg zu uns zu machen und unserer Unternehmenszentrale einen Besuch abzustatten. Bei uns angekommen, bat sie nicht etwa bei unserem Empfang, mit der HR-Abteilung Kontakt aufzunehmen, was wohl in ihren Augen von mangelndem Durchsetzungsvermögen gezeugt hätte. Die Dame wartete vielmehr, bis das Empfangspersonal abgelenkt war, und schlich sich dann unbemerkt ins Gebäude. Nachdem sie scheinbar längere Zeit durch unsere Zentrale geirrt war, wurde sie von einem hilfsbereiten Mitarbeiter entdeckt und angesprochen, ob man ihr denn helfen könnte. „Ja, ich suche die Personalabteilung.“ Nachsatz: „Ich habe dort einen Termin.“ Hilfsbereit und engagiert brachte der Kollege sie zu uns. Endlich an ihrem Ziel angelangt, sorgte sie für Aufruhr unter den HR-KollegInnen, indem sie mitten in der Personalabteilung stehend selbstsicher verkündete, zum Vorstellungsgespräch gekommen zu sein. „Wer ist die Dame?“ „Haben wir heute noch einen Termin?“ „Hat der Empfang sie angekündigt? Wenn nein, wie kommt sie in die Personalabteilung?“ Diese oder sehr ähnliche Gedanken gingen in diesem Moment den MitarbeiterInnen der Personalabteilung durch den Kopf. Spontan nahm sich eine Kollegin aus dem Bewerbermanagement, die für ihre äußerst sorgfältige und präzise Arbeitsweise bekannt ist, die Zeit, mit der Bewerberin dies und alles weitere im Besprechungszimmer zu klären. Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass die Frau zwar nie einen Termin vereinbart hatte, aber dennoch stur auf ein Interview hier und jetzt beharrte und gar nicht daran denken wollte, das Gebäude, ohne ihr Gespräch bekommen zu haben, wieder zu verlassen. Scheinbar war sie beseelt von der Idee, sich ihr persönliches Gespräch zu „ersitzen“. Letztlich gab meine Kollegin entnervt auf und bat um Unterstützung der HR-Manager zur Klärung der Situation. Rausschmeißer war ehrlich gestanden nie mein Traumberuf. Daher fühlte ich mich, gelinde gesagt, etwas unwohl, als ich die beharrliche „Möchtegern-Vorstellerin“ damit konfrontierte, dass wir ohne Termin und Vorbereitung kein seriöses Interview führen könnten und sie nun das Gebäude verlassen müsste, sich aber natürlich gerne jederzeit wieder bewerben dürfe. Erneut ihre Verweigerung. Erneut das Beharren auf ein Gespräch. Keine Einsicht, kein Einlenken ohne Interview ginge sie nicht. Punkt! Sitzstreik! Am Ende meiner Eloquenz angelangt, bat auch ich bald um Verstärkung durch einen Senior-Personalisten. 88

Aber auch zwei g’standene HRler erreichten nicht unbedingt ein Mehr an Einsicht oder Einlenken. Sie blieb weiterhin stur im Besprechungszimmer sitzen und „wartete“ auf ihr Interview. Bald waren auch wir beide mit unserem deeskalierenden Latein am Ende und es blieb uns nichts anderes übrig, als der Frau im Schulterschluss, mit verschränkten Armen und so grimmiger Miene wie möglich mit dem Sicherheitsdienst zu drohen. Die Vorstellung, wild strampelnd aus dem Gebäude getragen zu werden, behagte ihr wohl nicht sonderlich, denn sie zeigte sich einsichtig und begleitete uns in den Aufzug. Während der Fahrt nach unten flammte ihr Kampfgeist aber doch noch einmal auf, denn in dem Moment, als sich die Aufzugstüren im Parterre öffneten, sprang sie aus dem Lift, nahm „die Beine in die Hand“ und flitzte wie eine Olympionikin quer durchs Foyer und wieder die gegenüberliegende Treppe hinauf Richtung Personalabteilung. Wir beide, im ersten Moment völlig verdutzt, aber dann doch mit Zeitverzögerung hinterher. Der Kollege beim Empfang völlig irritiert. Bevor jedoch die Verfolgungsjagd durch unser Bürogebäude spektakulär in Fahrt kam, bemerkten wir offen gesagt nicht unglücklich darüber , dass die Dame es sich Gott sei Dank anders überlegt hatte, zwischen erstem und zweitem Treppenabsatz dann doch stehen blieb, sich von uns gnädig einfangen und zum Ausgang eskortieren ließ. Wenig überraschend bewarb sich die Frau nach diesem Vorfall nie wieder bei uns. Damit haben wir zwar keine weitere Mitarbeiterin gewonnen und waren weiter auf der Suche nach „Mr. oder Mrs. Right“, ich wurde aber zukünftig immer wieder mal von unserem Empfang geneckt, ob ich denn auch noch regelmäßig mein Lauftraining absolvierte, um unseren BewerberInnen gewachsen zu sein. Wer den Schaden hat … The End! 89

AKADEMIKERiNNEN-GUIDE

Der AKADEMIKERiNNEN-GUIDE 2018 von CAREER

MATURANTiNNEN-GUIDE

Der MATURANTiNNEN-GUIDE 2018 von CAREER

CAREER

CAREER Monitor 2018